Ahnenforschung

Nach oben Labitzke Gottwald Kracht

 

Wie erfahre ich etwas über meine Vorfahren?

Ahnen- bzw. Familienforschung, d. h. die Ermittlung der Namen von Vorfahren und von Daten zu seinem Leben, vollzieht sich praktischerweise in vier aufeinanderfolgenden Schritten:

1.Schritt: Sammlung von Informationen und Unterlagen innerhalb der Familie: Dabei wird alles an verfügbaren Daten über die eigenen Eltern, die Großeltern und die Urgroßeltern zusammengetragen, was aus eigenem Wissen und Erleben, aus Erzählungen, aus Familiendokumenten, usw. erreichbar ist. Für jeden Vorfahren sollte dabei ein eigenes Blatt oder eine eigene Karteikarte angelegt werden. Darauf sind die zu ihm ermittelten Daten einzutragen. In den meisten Fällen läßt sich auf diese Weise ein bis in die dritte Vorfahrengeneration (Urgroßeltern) relativ lückenloses Bild erstellen.

2. Schritt: Abfragen weiterführender Informationen bei den Standesämtern: Für Vorfahren aus früheren Generationen und eventuell bereits in der dritten Vorfahrengeneration bestehende Lücken können Daten bei den Standesämtern abgefragt werden. Hierfür sind in der Regel allerdings Verwaltungsgebühren (für Suchaufwand und Bearbeitung) zu errichten. Standesämter wurden in ganz Deutschland durch Gerichtsbeschluß zum 01.01.1876 eingerichtet. Seitdem sind dort alle Geburten, Trauungen und Sterbefälle verzeichnet. In den linksrheinischen Gebieten, die in der napoleonischen Zeit zu Frankreich gehörten, reichen die Standesamtsunterlagen sogar bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Dies gilt z. B. für Städte wie Köln, Bonn, Koblenz, Trier, Mainz, Worms, Speyer, Kaiserslautern und Saarbrücken. Standesamtliche Nachforschungen in diesem Raum erschließen somit noch mehr Vorfahrengenerationen, als solche in anderen Gebieten.

3. Schritt: Nachforschungen in Kirchenbüchern: In der Zeit vor der Führung der Standesamtverzeichnisse war es Aufgabe der Pfarrer beider Konfessionen, Veränderungen des Personenstandes zu registrieren. Dazu dienten die in Deutschland teilweise noch bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Kirchenbücher, von denen viele aber im Laufe der Zeit Kriegen, Bränden, Katastrophen, Verrottung und ähnlichem zum Opfer fielen. Dennoch lassen sich aus diesen Quellen für die Zeit vor 1876 (in linksrheinischen Gebieten auch schon für noch frühere Jahrzehnte) zahlreiche Informationen über Vorfahren gewinnen. Die Kirchenbücher, die meist in lateinischer Sprache geschrieben sind, werden heute an unterschiedlichen Orten aufbewahrt, diese können sein:

die ursprünglichen Pfarrämter, Bistums-, oder Diözesenarchive, Stadt-, Landeskirchen- oder Staatsarchive, Personenstandsarchive (z.B. in Brühl und in Detmold)

4. Schritt: Erhebung zusätzlicher Daten in weiteren Archivunterlagen sowie in der familiengeschichtlichen Fachliteratur: Zusätzliche Daten zum Leben von solchen Vorfahren, über die ersten Informationen bereits bei den Standesämtern oder in den Kirchenbüchern gewonnen wurden, sowie Hinweise auf Vorfahren, über die sich in den genannten Quellengruppen noch keine Informationen fanden, lassen sich aus unterschiedlichen, meist in kommunalen oder staatlichen Archiven lagernden Unterlagen ermitteln.

In diesem Zusammenhang sind u. a.:

Bürgerbücher der Städte, alte Steuer- und Abgabelisten, herrschaftliche Untertanverzeichnisse, Gerichts- und Nachlaßakten, Leichenpredigt-Sammlungen und Universitätsmatrikel zu nennen.

Da über viele Familien bereits intensiv geforscht wurde, gibt es eine umfangreiche genealogische (familienkundliche) Fachliteratur. Diese kann in zahlreichen Bibliotheken und Archiven ebenfalls eingesehen werden. Zuweilen enthält sie wertvolle zusätzliche Informationen über einzelne ältere Zweige der eigenen Vorfahrenschaft, die von anderen Forschern schon bearbeitet wurden.

Bei schwierigen Forschungsfragen können auch der Rat und die Hilfe eines Berufsgenealogen in Anspruch genommen werden ein vorgehen, das jedoch meist mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Anschriften von Berufsgenealogen finden sich in den Anzeigenrubriken der verschiedenen familiengeschichtlichen Fachzeitschriften. Hilfestellung geben aber auch die familiengeschichtlichen Vereine, die meist regional organisiert sind und in allen Bundesländern bestehen. In jedem Fall empfiehlt sich für den an Familienforschung Interessierten der Beitritt zu einem solchen Verein, der mit Literatur, Beratung und praktischen Unterstützung die Arbeit der einzelnen Mitglieder sehr fördern kann.

Ahnenforschung weltweit

Die genealogische Gesellschaft der Mormonen ,,Kirche Christi der Heiligen der Letzten Tage" - hat einen wichtigen Beitrag zur Genealogie geleistet. Millionen von Mikrofilmen und 200.000 gedruckte Bände werden bei Salt Lake City in Felsenbunkern aufbewahrt, und über 30.000 Filme und 3.000 Bände kommen jährlich hinzu. In ca. 38 Ländern werden täglich Registrierungen auf Mikrofilm aufgenommenen. Das große Interesse der Mormonen an der Genealogie ist auf ihren Glauben, daß die Familien im Jenseits zusammenbleiben, zurückzuführen. Mitglieder der Kirche forschen nach ihren Vorfahren, um sich auf eine "Versiegelung der Familie" vorzubereiten. Erst wenn alle Vorfahren ermittelt sind, kann eine Familie ,,versiegelt' werden.

In den Familien Geschichtlichen Zentren (FGZ) in Europa, ,,Kirche Jesu Christi der Heiligen letzten Tage", kann nachgeforscht werden, welche Unterlagen Mikroverfilmt sind. Die Lieferung eines Mikrofilmes dauert 3 Wochen bis ca. 6 Monate und eine dreimonatige Lesezeit kostet DM 10,00. Die Gemeinde Kirche Jesu Christi, in der Nähe Frankfurt/Main, gibt Ihnen gerne Auskunft über ein GZ in Ihrer Wohnnähe: Mitteleuropäische Zentrale:

Max-Planck-Str 23A, 6382 Friedrichsdorf, Germany.

 

Die Adresse der Hauptbücherei in Salt Lake City ist:

The Family History Library of the Church of Jesus Christ of Latter Day Saints 35 N. West Temple Street
Salt Lake City, Utah 84150, U.S.A

 

Forschung nach den Vorfahren auf dem europäischen Festland

Die genealogische Forschung in Europa ist durch Religionskriege, Revolutionen, Grenzveränderungen und politische Umwälzungen erschwert, aber mit genügend Ausdauer kann man sehr erfolgreich sein. Drei wichtige Ereignisse der jüngeren Geschichte sind: der Untergang des Osmanischen Reiches, das Ende der Österreichisch - Ungarischen Monarchie und die Teilung Deutschlands nach Ende des 2. Weltkrieges.

Anfang des 19. Jahrhunderts bestand das osmanische Reich aus einem Konglomerat von Land und Leuten auf dem europäischen, afrikanischen und asiatischen Kontinent. In Europa waren mehr als neun Millionen Menschen unter osmanischer Herrschaft, die meisten davon waren Christen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Rebellionen, und während der folgenden 80 Jahre erhielten Serbien, Griechenland, Montenegro, Rumänien und Bulgarien ihre Unabhängigkeit. Nachdem Albanien 1912 seine Unabhängigkeit erhielt, war das alte Osmanische Reich auf ein Gebiet um Konstantinopel begrenzt. Anfragen über Vorfahren aus dem Osmanischen Reich kann man an The Prirne Minister Archives, Bas-Bakanlik Arsivi, Murdurlugo, Cagaloglu, Istanbul, Türkei richten. Während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie lebten elf verschiedene Völker unter Habsburger Herrschaft. Es waren Österreicher, Kroaten, Tschechen, Deutsche, Ungarn, Italiener, Rumänen, Serben, Slowaken und einige kleinere ethnische Gruppen. Die Österreicher lebten hauptsächlich in dem Gebiet, das heute Österreich umfaßt Die Kroaten lebten in Jugoslawien, die Deutschen in einigen der ungarischen Provinzen, die Tschechen in Böhmen, die Ungarn in Ungarn und den östlichen Provinzen, die Italiener in Südtirol und Istrien, die Rumänen in Transsilvanien, die Serben in Jugoslawien und die Slowaken in der Slowakei. Ein ernsthaftes Problem für Ahnenforscher bedeuten die Wechsel der Ortsnamen und die neuen Grenzen nach dem Untergang der Monarchie. Millionen von Deutschen waren nun in der Tschechoslowakei ansässig, und Tausende von Österreichern lebten in Italien. Ungarn wurde ein kleines Land, nachdem es alles Land im Osten und Südosten verloren hatte. Ungarn, deren Vorfahren seit tausend Jahren in Transsilvanien gelebt hatten, mußten fliehen oder wurden Menschen zweiter Klasse in Rumänien. Heute leben über eineinhalb Millionen Ungarn in Rumänien. Bei der Ahnenforschung müssen diese Veränderungen berücksichtigt werden.

Bei der Teilung Deutschlands auf der Potsdamer Konferenz wurde die Unterstellung der deutschen Ostgebiete unter polnische und russische Verwaltung vereinbart. Die Gebiete östlich der Oder-Neisse kamen unter polnische Verwaltung und Ostpreußen unter russische. Außerdem ging das Sudetenland zurück an die Tschechoslowakei, und eine Umsiedlung der Deutschen aus Polen, Ungarn und der Teschechoslowakei wurde vereinbart.

Es begann eine der größten Völkerbewegungen in der Geschichte. Über vier Millionen Deutsche waren schon vor den Russen geflohen, und nun folgten fünf Millionen aus den von Polen verwalteten Gebieten und drei Millionen aus dem Sudetenland. Insgesamt verließen ungefähr 13 Millionen Deutsche das Land, in dem sie Hunderte von Jahren gelebt hatten. Über eine Million von Menschen starben während dieses Exodus.

1947 wurden die drei von den Westmächten besetzten Zonen zusammengelegt, und 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. In der russischen Zone entstand die Deutsche Demokratische Republik Obwohl durch die Menschenbewegungen, die Grenzveränderungen und Ortsnamenwechsel die Ahnenforschung sehr schwierig wurde, gibt es noch genug Informationen, da viele Unterlagen gerettet werden konnten. Die beiden Hauptquellen für genealogische Forschung in Deutschland sind:

- Das Standesamt der jeweiligen Stadt

- Die Kirchenbücher

 

Forschung nach amerikanischen Vorfahren

Die Nachforschung über Vorfahren, die von Europa nach den USA ausgewandert sind, ist leichter wenn man weiß, aus welchem europäischen Land sie kamen Diese Informationen können die Suche mehrerer Generationen ermöglichen. Da die Schiffslisten sehr umfangreich sind, ist es hilfreich, wenn man den Namen, das ungefähre Alter und das Ankunftsjahr des Vorfahren weiß.

Als nächstes sollte man die Schiffslisten überprüfen und sich die Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden besorgen und an den jeweils zuständigen Bundesstaat in den USA schreiben.

Passagiereinwanderungslisten in die USA

Außerdem sei hier nochmals auf die Genealogische Gesellschaft in Utah verwiesen, die man auf jeden Fall anschreiben sollte, wenn man den amerikanischen Teil der Familiennachforschung beginnt.

Folgende 36 Hafenstädte haben Einwandererpassagierlisten im ,,National Archives und Regional Records Center":

    Mobile, AL                         April 1904 - 24. Dez. 1945
    Hartford, CT                       Februar1929 - Dez.1943
    ApalachicoIa, FL               4. September 1918
    Boca Grande, FL              28.Okt.1912 - 16. Aug 1935
    Clarabelle, FL                   7.Nov.1915
    Fernandina, FL                 29.Aug.1904 - 7. Okt. 1932
    Jacksonville, FL 1             8. Jan. 1904 - 17.Dez.1945
    Key West, FL                     Nov. 1898 - Dez.1945
    Knights Key, FL                 7.Feb.1908 - 20. Jan. 1912
    Mayport, FL                       16. Nov.1907 – 13. April 1916
    Miami, FL                           Okt. 1899 - Dez.1945
    Millville, FL                          4.Juli 1916
    Panama City, FL               10.Nov.1927 - 12. Dez.1939
    Port Everglades                 5.Feb.1932 - 10.Dez.1945
    Pensacola, FL                   12. Mai1900 - 16.Juli 1945
    Port Inglis, FL                     29. März 1912 - 2.Jan.1913
    Port St. Joe, FL                 12.Jan.1923 - 13. Okt. 1939
    St. Andrews, FL                  2.Jan.1916- 13. Mai 1926
    St Petersburg, FL              15.Dez.1926 - 1. März 1941
    Tampa, FL                          Nov. 1898-Dez. 1945
    West Palm Beach, FL       8. Sept. 1928-21. Nov.1945
    Brunswick, GA                     22.Nov.1901 - 27.Nov.1939
    Savannah, GA                     5. Juni 1906 - 6.Dez.1945
    New Orleans, GA               Januar 1903 - Dez.1945
    Portland & Falmouth, ME               Nov. 1893März 1942
    Baltimore, MD                    12. Dez. 1891 - 30.Nov.1909
    Boston & Charleston, MA         1. Aug. 1891-Dez.. 1943
    Gloucester, MA                   Okt. 1906-Juni 1923; 1. Feb 1930-Dez. 1943
    New Bedford, MA               1.Juli 1902-Juli 1942
    Gulfport, MS                        Aug. 1904 – Sep. 1944
    Pascagoula, MS                15.Juli 1903-21.Mai 1935
    New York, NY                      16. Juni 1897-1942
    Philadelphia, PA                 Jan. 1883-31. Dez. 1945
    Providence, RI                     Juni 1911 –Juni 1943
    Charleston, SC                    9. April 1906-3.Dez. 1945
    Georgetown, SC                 17.Juni 1923-24. Okt. 1939

 

02.10.2006